Was ist die Pointe einer Kurzgeschichte? Beispiele und Erklärung

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In vielen verschiedenen Textsorten, beispielsweise bei Witzen, Sketchen und Kurzgeschichten, spielt die Pointe eine zentrale Rolle. Sie steht für einen bewusst beim Leser ausgelösten Überraschungseffekt, der aus einer unerwarteten Wendung resultiert. Diese ist für das Verständnis der gesamten Handlung normalerweise entscheidend.

Die aus dem Französischen stammende Bezeichnung bedeutet übersetzt so viel wie „Spitze“. Der Bezug zur Bedeutung beruht darauf, dass sich der Inhalt der Erzählung zur Pointe hin „zuspitzt“. Oft handelt es sich dabei sogar um den Höhepunkt, gerade wenn es um Kurzgeschichten geht.

Wie entsteht eine Pointe?

Bei einer Pointe steht immer das Gefühl der Überraschung, das der Leser empfinden soll, im Fokus. Erreicht wird dies, indem der Autor mit den Erwartungen spielt und schließlich mit ihnen bricht, nachdem er sie zunächst absichtlich erzeugt hat. Eine Voraussetzung besteht darin, dass beide Seiten über das nötige gemeinsame Wissen verfügen, sodass die Pointe tatsächlich als solche verstanden werden kann.

Als Beispiel wäre an dieser Stelle eine Kurzgeschichte zu nennen, bei der der Verfasser im Verlauf der Handlung durchgängig eine sich andeutende Romanze zwischen zwei Personen thematisiert. Aufgrund der Aufmerksamkeit, die der Beziehung zwischen den beiden gewidmet wird, baut sich im Rezipienten die Erwartung auf, dass sie ein Paar werden. Der Autor weiß, womit gerechnet wird, und baut absichtlich eine unerwartete Wendung ein: Die Frau liebt eigentlich den Bruder des Mannes und wollte mit ihrem Verhalten nur an ihn herankommen.

Hätte der Leser die angedeutete Romanze überhaupt nicht als solche aufgefasst, sondern als keusche Freundschaft, würde die Pointe ihre Wirkung verfehlen. Es ist dementsprechend entscheidend, dass der Autor die gewünschte Erwartungshaltung einzuschätzen weiß und wirklich heraufbeschwören kann.

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Warum spielt die Pointe bei einer Kurzgeschichte eine besondere Rolle?

Die für Kurzgeschichten typische Eigenschaft des knapp bemessenen Umfangs führt dazu, dass die einzelnen Bausteine umso bedeutsamer werden. Essenziell ist dabei die Pointe, da sie für gewöhnlich das Ende der Kurzgeschichte bildet. Neben einem offenen Schluss, der ebenfalls vorkommen kann, lässt sie sich also als weiteres Merkmal der Gattung auffassen.

Vor dem Hintergrund der (Schluss-)Pointe muss der Leser die zuvor verarbeiteten Geschehnisse der Kurzgeschichte oft komplett neu bewerten. Sie verleiht der Erzählung das gewisse Etwas und sollte somit passend nach der entsprechenden Vorbereitung eingesetzt werden.

Ein Beispiel für die Pointe einer Kurzgeschichte: Dorothy Sayers‘ „Verdacht“

In der Kurzgeschichte „Verdacht“ von Dorothy Sayers geht es um ein Ehepaar, das im Alltag von einem Hausmädchen versorgt wird. Während die Handlung voranschreitet, erhärtet sich der Verdacht, dass es sich bei der Angestellten um eine Giftmörderin handelt. Als der Ehemann Arsen (Gift) in seinem Getränk findet, scheint der Fall geklärt, doch zum Schluss erfolgt eine klassische Pointe. Das Hausmädchen erweist sich als unschuldig und die Ehefrau als eigentliche Täterin.

Bei Kurzgeschichten, die dem Krimi-Genre zuzuordnen sind, stellt die Pointe ein probates Mittel dar, um für die Auflösung der Spannung zu sorgen und auf diese Weise das Ende der Geschichte zu gestalten.

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