Was bezeichnet man in der Grammatik als Wortstamm?

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Als Wortstamm bezeichnet man in der Grammatik den Teil des Wortes, der bei der Flexion unverändert bleibt und durch die Affixe, als deren Gegenstück der Stamm eingestuft wird, oder andere Wortstämme ergänzt wird. Affixe sind vorangestellte, angehängte oder eingefügte Silben oder Laute.

Wortstamm in der GrammatikWoraus sich ein Wortstamm zusammensetzt

Präfixe: Silben oder Laute, die dem Stamm vorangestellt werden: an-sehen, ver-geben
Suffixe: Silben oder Laute, die dem Stamm hinten angehängt werden: leb-en, Trink-er
Zirkumfix: eine Kombination aus Präfix und Suffix, also eine Flexion, bei der dem Stamm sowohl eine Silbe bzw. ein Laut vorangestellt als auch hinten angehängt wird: ge-weit-et, ver-sprech-en
Interfix: eine zwischen zwei Stämmen eingefügte Silbe bzw. ein zwischen zwei Stämmen eingefügter Laut: Schifffahrt-s-straße, Ehr-en-wort

Der Wortstamm kann, muss aber nicht als eigenständiges Wort funktionieren und ist so vielmehr der Ausgangspunkt zur Bildung von Wörtern.

Flexion (Änderung der Form eines Wortes) eines Wortstamms anhand der Wurzel „schwimm“ als Beispiel:
– der verbale Stamm als Teil des flektierten Verbs: schwimm-e/schwimm-st usw. oder des Infinitivs: schwimm-en
– der verbale Stamm als Teil der Ableitung eines Nomens: Schwimm-er
– der verbale Stamm als Teil eines zusammengesetzten Nomens: Schwimm-bad

Daher kann die Komposition eines Wortes als Zusammensetzung von Wortstamm und Affixen oder zwei Wortstämmen definiert werden. Das zusammengesetzte Kompositum Schwimmbad kann seinerseits wieder der Wortstamm für weitere Kompositionen und flektierte Formen sein: Schwimmbad-reiniger, des Schwimmbad-s usw.

Empfehlung:  „Diesem“ oder „diesen“ richtig benutzen

Was den Wortstamm von Wurzel und Basis abgrenzt

Die Unterscheidung zwischen Stamm, Wurzel und Basis ist schwierig und oftmals fließend. Der Stamm wird für gewöhnlich als selbst nicht flektierter Teil des Wortes definiert. Folglich wird der Stamm vornehmlich durch das Hinzufügen der Affixe flektiert. Die Tatsache, dass es auch hier wiederum Ausnahmen gibt, bei denen die Regeln der Grammatik eine morphologische Veränderung des Wortstamms durch Umlaut oder Ablaut vorschreiben, unterstreicht nur wie problematisch die Abgrenzung von Stamm und Basis, die allgemein als Gegenstück zum Affix oder Klitikon (schwach oder unbetontes Morphem, das sich an eine Basis als Wirtswort anlehnen muss) definiert wird, ist. Man könnte nach dieser Definition den Wortstamm als Spezialfall der Basis auffassen. Dabei ist es unter Linguisten durchaus strittig, ob sich ein Stamm wirklich ändert oder ob eine Wortfamilie mehr als einen Stamm haben kann.

Die Wurzel wiederum ist ein Sonderfall des Stamms und bezeichnet für gewöhnlich einen Wortstamm, der keinen Marker für eine bestimmte Wortart besitzt und folglich ebenso als Grundlage für die Bildung von Verben, wie auch von Nomen eingesetzt werden kann.

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